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Eine abenteuerliche Mexikoreise zum Typstandort von LAU 088 in der Sierra Obscura Michael Bechtold und Wolfgang Metorn Die Entdeckung eines Echinocereus mit der Sammelnummer LAU 088, die unter den Kakteenfreunden weltweit Aufsehen erregte, liegt nun schon 30 Jahre zurück. Aber auch heute noch übt dieser intensiv rubinrot bedornte Echinocereus einen starken Reiz aus, so dass er in die meisten Kakteensammlungen Einzug gehalten hat. Dies wurde vor allem durch die leichte Vermehrbarkeit über Aussaat möglich. Alfred B Lau hat diesen Echinocereus1972 im Cañon de Baborocos  bei El Campito in der Sierra Obscura im mexikanischen Staat Chihuahua entdeckt und darüber im Jahr 1974 in der amerikanischen Kakteenzeitschrift unter dem Titel „Hidden Beauty in the Gorge“ berichtet. Die Erstbeschreibung erfolgte durch G.R.W. Frank als Echinocereus pectinatus var. rubispinus (1982: 32 - 36), wobei von den morphologischen Daten her bereits eine Verwandtschaft zu Echinocereus pectinatus var. rigidissimus aufgezeigt wurde. N.P. Taylor  hat 1984 der Pectinatus-Varietät rigidissimus Artrang eingeräumt, LAU 088 zu Echinocereus rigidissimus var. rubispinus umkombiniert und 1997 zur Subspezies erklärt. Während eines Besuchs bei A.B. Lau in Fortin de las Flores  erhielt  Dr. Karl Ruhl,  ein inzwischen verstorbenes Ehrenmitglied unserer Ortsgruppe Mannheim / Ludwigshafen, bereits kurz nach der Entdeckung von LAU 088 zwei Pflanzen geschenkt. Diese beiden Pflanzen bewunderten wir als sensationellen Fund. Aus der Literatur erfuhren wir dann von den abenteuerlichen Wegen zum Standort im Cañon de Baborocos, in dessen Felswänden diese Subspezies wächst. Bereits damals reifte in uns der Wunsch, irgendwann einmal diesen abgelegenen Standort zu besuchen, aber es sollten noch viele Jahre vergehen, bis wir dieses Vorhaben realisierten konnten. Im Frühjahr 2002 war nun endlich der Typstandort von LAU 088 das Hauptziel unserer Reise. Im Rahmen der Planung dieser Reise versuchten wir Informationen über den Weg dahin zu bekommen, aber das Ergebnis unserer Recherchen war sehr mager. Es stellte sich heraus, dass zwar viele Kakteenfreunde versucht hatten, den Standort zu finden, aber keiner schaffte es, auch nur in die Nähe des  Cañon de Baborocos zu kommen. Offensichtlich war seit 30 Jahren außer A.B. Lau und seinen  damaligen Begleitern niemand mehr dort gewesen. Am 17.April 2002 machten wir uns mit zwei VW-Kombis auf den Weg zum Wasserfall von Basaseachic. Auf einer Höhe von 2300 m NN kamen wir bei Cinequita an einer großen in voller Blüte stehenden Population des Echinocereus polyacanthus vorbei. Beim Abstieg zum Fuß des Wasserfalls entdeckten wir auch Echeveria chihuahuaensis und Echinocereus salm- dyckianus in Blüte. Unsere Fahrt ging weiter über Cahuisori und Huajumar zu dem malerischen Minenstädtchen Ocampo, nahe dem wir unsere Zelte für die Nacht aufschlugen. Durch Kartenstudium hatten wir festgestellt, dass uns dieser Weg in die Sierra Obscura führen würde. So fuhren wir am nächsten Morgen nach Moris, der größten Ortschaft in dieser Gegend. Die Vegetation änderte sich grundlegend, da Moris auf einer Höhe von nur 820 m NN liegt. Fanden wir anfangs Echinocereus scheeri, Echinocereus  tayopensis, diverse Mammillarien und Yucca declinata, so folgten kurz vor Moris überraschend Pilosocereus, Pachycereus, Marshallocereus thurberi und Ferocactus pottsi. Eine ähnliche Vegetation hatten wir auf früheren Reisen in der Barranca del Cobre vorgefunden. In der Polizeistation am Zócalo erkundigten wir uns nach dem weiteren Weg in die Sierra Obscura. Zu unserem Erstaunen waren die Polizeibeamten schwer bewaffnet und mit schusssicheren Westen ausgestattet. Es stellte sich heraus, dass die mit einem Pkw befahrbaren Wege im nächsten Ort, El Pilar, enden, und man ab dort nur noch mit Pferd oder zu Fuß weiter kommt. Damit war die aussichtsreichste Variante ausgeschieden. Unser nächstes Ziel war El Trigo. Vor dem Ort fanden wir gut getarnt in flachen Felspartien  Mammillaria haudeana. Auf den Bergen westlich von El Trigo entdeckten wir diesmal eine neue Population von Echinocereus laui. Die Pflanzen blühten teilweise noch. Da es bereits dämmerte, wollten wir zu einem abseits des Hauptweges gelegenen schönen Zeltplatz fahren, den wir bereits 1999 benutzten. Leider hatten ausgerechnet hier Holzfäller ihr Lager eingerichtet. Inzwischen war es schon dunkel geworden und ein geeigneter Zeltplatz schwer zu finden. So schlugen wir notgedrungen die Zelte einige Kilometer südlich des Ortes direkt neben dem Weg auf. Während wir uns am Lagerfeuer saftige T-Bone-Steaks schmecken ließen, die Horst wie immer fachmännisch zubereitet hatte, hörten wir  näher kommende Motorengeräusche. Ein Rancher wird wohl nach Hause fahren oder es kommt  ein Holzfällerlaster -  so dachten wir. Wenige Minuten später kam jedoch ein gepanzertes Fahrzeug der Armee um die Kurve. Sofort schwärmten die Soldaten aus und umstellten unser Lager, die Gewehre im Anschlag. Nach ergebnisloser Durchsuchung unserer VW-Busse und Zelte konnten wir den Offizier von unserer Harmlosigkeit überzeugen, wobei es wie immer half, uns sofort als alemanes erkennen zu geben. Wir kamen mit dem Offizier ins Gespräch und auf unsere Frage nach dem Weg in die Sierra Obscura erhielten wir zwar sehr nützliche Hinweise, unsere Hoffnung, dorthin zu kommen,  wurde aber durch mitleidige Blicke der Soldaten auf unsere Fahrzeuge getrübt. Die Wege in die Sierra Obscura seien nur mit Allradfahrzeugen zu bezwingen, so die einhellige Meinung. Nach eingehender Diskussion entschlossen wir uns am nächsten Morgen, das Abenteuer trotzdem zu wagen, fuhren aber mit wenig Hoffnung auf Erfolg  an die beschriebene Abzweigung. Die Strecke der ersten 20 Kilometer über die Hochebene war recht gut zu befahren. An jeder Ranch, an dem wir vorbeikamen,  erkundigten wir uns nach dem Zustand und Verlauf des weiteren Weges. Die Holzfällerpiste führte uns nun durch Eichen- und Pinienwald. Auf vereinzelt stehenden  Felsen wuchsen „grüne Echinocereen“, die  zumeist auch in Blüte waren. Allmählich wurde der Zustand der Piste schlechter, immer häufiger hatten wir steile Gefällestrecken und Steigungen zu überwinden. An diesen Stellen war die Fahrspur von den Holztransportern stark ausgefahren und vom Regen ausgewaschen. Wir kamen immer langsamer voran. Die geringe Bodenfreiheit  unserer Fahrzeuge zwang uns oft, auszusteigen und den Fahrer über die schlimmsten Hindernisse zu lotsen. Am späten Nachmittag mussten wir uns eingestehen, dass eine Weiterfahrt nicht mehr zu verantworten wäre. Wir fanden einen geeigneten Zeltplatz und beschlossen am nächsten Morgen zurückzufahren. Wegen des anstrengenden Tags saßen wir nur kurz am Lagerfeuer und legten uns früh zum Schlafen in die Zelte.